Nach 389 Tagen endet die größte Arktisforschungsexpedition aller Zeiten erfolgreich in Bremerhaven

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Blick auf den deutschen Forschungseisbrecher Polarstern, der an einer Eisscholle in der Arktis festgemacht hat. Im Vordergrund steht ein Zelt, das Wissenschaftler für Eisuntersuchungen aufgestellt haben. The German research vessel Polarstern during an ice station in the central Arctic. In the foreground one can see a tent, ericted by scientists, investigating the sea ice. Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann (CC-BY 4.0)

Nach über einem Jahr in der zentralen Arktis kehrte das Forschungsschiff Polarstern heute (12. Oktober 2020) in seinen Heimathafen Bremerhaven zurück. Begleitet von einer Begrüßungsflotte entgegenkommender Schiffe lief es mit dem Morgenhochwasser gegen 10 Uhr über die Nordschleuse ein. Damit endet die MOSAiC-Expedition des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Neben der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, nahmen auch Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte und Wissenschaftssenatorin Dr. Claudia Schilling die Polarstern in Empfang.
Bovenschulte: “MOSAiC ist eine einzigartige, noch nie dagewesene Expedition über die Dauer von über einem Jahr, die in Bremerhaven ihren Anfang genommen hat und auch hier endet. Hier ist sie geplant worden, hier ist sie vorbereitet worden und hier werden die Daten ausgewertet. Für künftige Expeditionen ist es unabdingbar, dass für das derzeitige Schiff, das über Jahrzehnte treue Dienste geleistet hat, nun zügig ein adäquater Ersatz geschaffen wird, der den Erfordernissen der modernen Wissenschaft und den Herausforderungen in den Extremregionen der Erde in allen Situationen gewachsen ist.”

Senatorin Schilling: “Wir sind stolz darauf, ein solch internationales wissenschaftliches Schwergewicht, wie das AWI, seit Jahrzehnten zu fördern und zu unterstützen. Bei der MOSAiC-Expedition hat es sich nicht um eine abstrakte Forschungsfahrt gehandelt, sondern es wurde nach wissenschaftlichen Erkenntnissen für eine Vielzahl von Fragestellungen geforscht, die für uns alle von großer Bedeutung sind. So wurden beispielsweise grundlegende Daten über den Klimawandel gesammelt, die dann später auch die Basis für wichtige politische Entscheidungen bilden können.”

Die MOSAiC-Expedition war eine Forschungsfahrt der Superlative: Nie zuvor war ein Eisbrecher im Winter in der Umgebung des Nordpols, konnten internationale Forschende so umfassend dringend benötigte Klimadaten in der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Region sammeln. Festgefroren an einer Eisscholle trotzten sie extremer Kälte, arktischen Stürmen, einer sich ständig verändernden Eisscholle – und den Herausforderungen der Corona-Pandemie.

Rückblick: Am 20. September 2019 verließ die Polarstern den norwegischen Hafen Tromsø Richtung zentrale Arktis, mitten ins Epizentrum des Klimawandels. Dort ließ sie sich im Eis einfrieren und es begann eine einjährige Drift mit dem Eis über die Polkappe, vollständig den Kräften der Natur ausgeliefert – ihre Route und Geschwindigkeit bestimmte allein die Drift des Eises, getrieben von Wind und Strömung. Insgesamt 442 wissenschaftliche Fahrtteilnehmende, Polarstern-Crewmitglieder, Nachwuchsforschende, Lehrkräfte und Medienschaffende waren während der fünf Expeditionsabschnitte dabei. Sieben Schiffe, mehrere Flugzeuge sowie mehr als 80 Institutionen aus 20 Ländern beteiligten sich. Die wissenschaftlichen Teilnehmenden der Expedition hatten 37 unterschiedliche Nationalitäten. Ihr gemeinsames Ziel: die komplexen Wechselwirkungen im Klimasystem zwischen Atmosphäre, Eis und Ozean zu erforschen und besser in Klimamodellen darzustellen. Ein Jahr lang haben sie außerdem das Leben in der zentralen Arktis untersucht. Jetzt kommen sie voller Eindrücke aus der sich wandelnden Arktis zurück, mit einem einmaligen Datenschatz, dessen Auswertung und Analyse eine ganze Generation von Klimaforschenden beschäftigen wird.

Selbst als im Zuge der Corona-Pandemie weltweit praktisch alle Expeditionen abgesagt wurden, konnte MOSAiC durch die breite Unterstützung der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft und große Kraftanstrengungen des MOSAiC-Teams erfolgreich fortgesetzt werden. Im Frühsommer musste die Polarstern die MOSAiC-Scholle kurzzeitig verlassen, wo autonome Stationen jedoch wichtige Parameter weiterhin messen konnten. Ein neues Team nahm nach vier Wochen die Arbeiten auf der Eisscholle wieder auf und führte die Untersuchungen bis zu ihrem letzten Tag fort, als die Scholle wie geplant den Eisrand östlich von Grönland erreichte, unter dem Einfluss von Dünung und Wellen zerbrach und damit ihren Lebenszyklus beendete. Um das dann noch fehlende letzte Puzzlestück im vollen Jahresgang des Meereises zu erfassen – das Gefrieren des Eises am Ende des Sommers – stieß die Expedition danach weit nach Norden vor, erreichte den Nordpol und machte in der Umgebung an einer zweiten Eisscholle fest.

Trotz aller Herausforderungen erreichte die MOSAiC-Expedition damit erfolgreich ihr Ziel: über einen vollen Jahresverlauf hinweg das Epizentrum des Klimawandels präziser zu erforschen, als es jemals zuvor möglich war – und damit das Wissen um das Klimasystem der Erde und seine Veränderungen um einen entscheidenden Schritt weiterzubringen.

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