Gewalt gegen Frauen: Mehr Licht ins Dunkelfeld bringen

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Landesaktionsplan: Beschlossene Maßnahmen müssen ausfinanziert werden

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November weist die Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten (ZGF) auf die hohe Dunkelziffer betroffener Frauen und Mädchen hin: Ein Großteil von Gewalt betroffener Mädchen und Frauen erstattet keine Anzeige und wendet sich auch nicht an entsprechend spezialisierte Beratungsstellen. In den Statistiken zu Gewalt werden sie daher nicht erfasst. Entsprechend spricht man von dem sogenannten Dunkelfeld. Häufig schweigen die Mädchen und Frauen aber nicht grundsätzlich zu ihren Gewalterfahrungen. Vielmehr vertrauen sie sich direkt oder indirekt beispielsweise Lehrkräften und Erzieherinnen oder Erziehern, Beschäftigten im Gesundheitswesen, in Kirchengemeinden oder in der Beratung von Migrantinnen und Migranten an.

Um mehr Licht in das Dunkelfeld zu bekommen und so den Frauen und Mädchen besser helfen zu können, sieht der im März 2022 vom Bremer Senat verabschiedete Landesaktionsplan gegen Gewalt an Frauen und Mädchen als Maßnahme die Arbeitsgemeinschaft (AG) Dunkelfeld vor. Sie wird von der ZGF koordiniert. Die AG hat im Juni dieses Jahres ihre Arbeit aufgenommen und rund 40 Teilnehmende. Sie richtet sich an Mitarbeitende und Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen und Organisationen, die in ihrem Berufsalltag immer wieder mit Gewalterfahrungen konfrontiert werden, bei denen Hilfe oder Beratung zu Gewalt aber nicht zu ihren direkten Aufgaben- und Arbeitsbereichen gehört. An einer Teilnahme Interessierte können sich auch jetzt noch an die ZGF wenden.

„Damit die Mitarbeitenden dieser Einrichtungen den von Gewalt betroffenen Mädchen und Frauen zielführend helfen können und selbst auch Unterstützung erfahren, benötigen sie entsprechende Schulungen und Netzwerke. Auch ist ihr Wissen über das Dunkelfeld enorm wichtig und muss daher erfasst werden. Denn sie kennen häufig die Gründe, warum sich von Gewalt Betroffene nicht an die bestehenden Hilfesysteme wenden wollen oder können. Ziel der AG Dunkelfeld ist es daher zu informieren, zu vernetzen und zu unterstützen“, erklärt Bettina Wilhelm, Landesfrauenbeauftragte von Bremen.

Bei der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist das Thema Dunkelfeld eine wichtige Säule. Laut der Untersuchung „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland – SkiD 2020“ des Bundeskriminalamts (BKA) gehören Sexualdelikte zu den am wenigsten angezeigten Straftaten. Ähnlich wie bei häuslicher Gewalt kommen die Täter hier häufig aus dem Umfeld der betroffenen Frauen und Mädchen und stehen in einer persönlichen Beziehung zu ihnen, was die Hürden für eine Anzeige bei der Polizei erhöht.

Landesaktionsplan: Fehlende Finanzierung für beschlossene Maßnahmen
Neben der AG Dunkelfeld sieht der Landesaktionsplan gegen Gewalt an Frauen und Mädchen 74 weitere Maßnahmen vor, die in den kommenden zwei Jahren umgesetzt werden sollen. Bettina Wilhelm: „Die vom Senat beschlossenen je 550.000 Euro für die Jahre 2022 und 2023 bilden eine Grundlage, um die im Aktionsplan festgehaltenen Maßnahmen anzugehen. Um sie jedoch vollständig umzusetzen, sind weitere finanzielle Mittel nötig. Für die dringend gebrauchte Gewaltschutzambulanz oder einige Stadtteilprojekte fehlt beispielsweise bisher die dauerhafte Finanzierung und damit eine langfristige Perspektive. Mit dem Landesaktionsplan hat das Land Bremen eine umfassende Strategie zur Bekämpfung der Gewalt an Frauen erarbeitet, dafür braucht es aber einen langen Atem und entsprechend auch eine längerfristige Finanzierung. Diese muss nun auch gewährleistet werden.“

Flaggenaktion „Bremen sagt Nein zu Gewalt gegen Frauen“
Um auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen, hisst die Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm gemeinsam mit Bürgerschaftspräsident Frank Imhof zum Internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen, dem 25. November 2022, morgens zu Sonnenaufgang um 8.06 Uhr vor der Bremischen Bürgerschaft eine Flagge mit der Aufschrift „Bremen sagt nein zu Gewalt gegen Frauen“. An der Aktion, die unter dem Motto „Flagge zeigen“ steht, beteiligen sich das Rathaus, zahlreiche Senatsressorts und viele weitere Organisationen, darunter auch der SV Werder Bremen und das Jobcenter.

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