Stadt Bremerhaven kauft Karstadtgebäude

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„Der Stadt ist es gelungen, die ehemalige Karstadt-Immobilie von einem Immobilienfonds anzukaufen, der Kaufvertrag ist notariell unterzeichnet. Damit er wirksam wird, müssen nun Magistrat und Stadtverordnetenversammlung zustimmen“, so Oberbürgermeister Melf Grantz heute (17. September 2021) in einem Pressegespräch. „Nun ist es möglich, einen dicken faulen Zahn in unserer Innenstadt zu ziehen. Das ist ein wichtiger Schritt für die weitere Entwicklung des Oberzentrums Bremerhaven“, so der OB. Bürgermeister Torsten Neuhoff als Kämmerer und Dezernent für die Stadtplanung betonte: „Wir werden nun alles daransetzen, schnell die neuen Chancen für die Innenstadtentwicklung zu nutzen.“

Die Verhandlungen mit dem Eigentümer, der zweite nach Aufgabe und Verkauf von Karstadt, mussten mit höchster Vertraulichkeit erfolgen, erklärte Grantz. „Ich bin vor allem der Weser-Elbe-Sparkasse mit ihrem Vorstandsvorsitzenden Peter Klett sehr dankbar für die professionelle Begleitung der Verhandlungen.“ Dass die Immobilie nicht zum Schnäppchenpreis zu erwerben gewesen sei, habe man bedauerlicherweise nicht erwarten können, da derartige Immobilien mittlerweile international gehandelt würden und so immer teurer werden. „Ich bin froh, dass wir zügig diese zu erwartende Preisspirale unterbrechen konnten“, so der OB. Dass dieses Geschäft abgeschlossen werden konnte, sei auch der Begleitung durch die politischen Entscheidungsträger in der Stadtverordnetenversammlung zu danken, hoben Grantz und Neuhoff hervor. „Wir gehen davon aus, dass für dieses nicht ganz gewöhnliche Geschäft die politische Zustimmung sicher ist“, betonte Bürgermeister Neuhoff.

Beide gehen davon aus, dass sich der Stadt Bremerhaven mit dem Erwerb der Immobilie die einmalige Chance bietet, diese exponierte Innenstadtlage nachhaltig zu entwickeln. Voraussetzung dafür ist der Rückbau der abgängigen Immobilie. „Mit der Entwicklung und Umsetzung eines zukunftsweisenden städtebaulichen Konzeptes, einhergehend mit einer nachhaltigen Architektursprache der baulichen Maßnahmen und einer anziehenden Nutzungsmischung, wird es gelingen, eine deutliche Attraktivitätssteigerung der Bremerhavener Innenstadt auch gegenüber dem ‚Vor-Corona Zustand‘ zu erreichen“, skizziert der Oberbürgermeister die städtebauliche Aufgabe. „Dazu gehört auch die Optimierung der schon seit Jahren bemängelten unattraktiven fußläufigen Verbindungen zwischen der Innenstadt und den touristischen Attraktionen in den Havenwelten ebenso wie die Schaffung fehlender Plätze mit Aufenthaltsqualität.“

Auch der Deutsche Städtetag bewertet einen temporären oder auch langfristigen Erwerb von Immobilien und Grundstücken durch Kommunen als eine der zentralen Interventionsmöglichkeiten für die Entwicklung der Innenstädte. Dabei spricht er sich für kluge Investitionen aus, die sich nicht zwingend monetär auszahlen müssen, wohl aber helfen, den Standort zu stabilisieren und weiterzuentwickeln. Leitmotiv sollte dabei aus seiner Sicht eine auf langfristige Ziele ausgerichtete Wirtschaftlichkeit sowie eine attraktive Durchmischung vor Ort sein. In einem am 1. Juli 2021 in Berlin vom Hauptausschuss des Deutsche Städtetags beschlossenen Positionspapier „Zukunft der Innenstadt“ heißt es u. a.:

„Städte sind Orte für Menschen. Orte für Jung und Alt. Für Familien und Alleinstehende, zum Leben und zum Wohnen, genauso wie zum Arbeiten. Städte sind Orte für Bildung, Erholung, Events und Kultur. Die Angebote in den Innenstädten sind an die neuen Bedürfnisse und Erwartungen der Menschen anzupassen. Es braucht einen neuen Mix von Nutzungen. Spätestens seit der Leipzig Charta aus dem Jahr 2007 ist das Thema Nutzungsmischung als übergeordnetes Leitbild in Deutschland etabliert. Die Neue Leipzig Charta aus dem Jahr 2020 greift die Transformationsprozesse der Städte auf und bekräftigt die Forderung nach einer nachhaltigen Mischung im Sinne des Gemeinwohls. Somit gilt es, die drei Nachhaltigkeitsdimensionen einer grünen, gerechten (sozialen) und produktiven Stadt in die Realität umzusetzen.“

Der Entwicklungsprozess für das Areal um das Karstadt- und Eulenhofgrundstück soll durch eine Gestaltungswerkstatt begleitet werden. Oberbürgermeister Grantz teilte mit, dass mit der Joachim Ditzen-Blanke GmbH außerdem ein potentieller Investor bereitstehe, der mit Andreas Heller Architects & Designers bereits erste konzeptionelle Ideen für eine multifunktionale Bebauung und Nutzung des ehemaligen Karstadt-Areals sowie des Eulenhofgrundstücks entwickelt habe. (vgl. Anlage mit Ideenskizzen von Andreas Heller) „Diese konzeptionellen Ideen funktionieren sehr gut ohne eine ebenengleiche Fortführung der Oberen Bürger bis zum ehemaligen Bankhaus Neelmeyer. Insofern soll ausdrücklich auf eine solche bauliche Fortführung bei den zukünftigen Planungen verzichtet werden“, ist sich Grantz mit seinem Kollegen Neuhoff einig. Nach dem Abriss der Karstadtgebäude soll zudem die bisher überbaute Straße Am Alten Hafen wiederhergestellt werden.

Stadtkämmerer Bürgermeister Torsten Neuhoff erläuterte die Finanzierungsfragen: „Für den Ankauf und den Abriss der Liegenschaft sowie die Wiederherstellung der bisher durch Karstadt überbauten Straße Am Alten Hafen hat die Stadt Bremerhaven 25.000.000 € aus dem Bremen-Fonds beantragt. Davon wurden 50 %, d. h. 12.500.000 € für 2021 bewilligt. Der Kaufpreis beläuft sich auf 15.000.000 €. Abzüglich der Mittel in Höhe von 12.500.000 € aus dem Bremen-Fonds sind damit noch 2.500.000 € bereitzustellen, die aus dem BremerhavenFonds finanziert werden sollen.“ Die politischen Signale, dass so verfahren werden könne, sind nach übereinstimmender Auffassung von Neuhoff und Grantz positiv.

Die Kosten für den Rückbau der Immobilie, eine provisorische Überdachung des ebenerdigen Anschlusses der nördlichen Weser-Passage über die Mühlenstraße an die Fußgängerzone sowie für die durchgängige Wiederherstellung der Straße Am Alten Hafen werden nun umgehend von Seestadt Immobilien eruiert. Planungskosten dafür werden voraussichtlich noch 2021 benötigt.

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