Polizeiliche Kriminalstatistik 2022 für das Land Bremen vorgestellt

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Straftaten in Bremerhaven

Bremerhaven war schon immer eine Stadt mit vielen Herausforderungen, aber im Jahr 2022 schien es, als ob diese Herausforderungen noch größer geworden waren. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, um mit der steigenden Anzahl von Straftaten fertig zu werden.

Doch trotz dieser Schwierigkeiten hatte die Polizei auch Grund zum Feiern. Die Aufklärungsquote war gestiegen und erreichte zum zweiten Mal in Folge einen Wert über 50 Prozent. Das bedeutete, dass mehr als die Hälfte der begangenen Straftaten erfolgreich aufgeklärt und die Täter zur Rechenschaft gezogen worden waren.

Volker Ortgies, der Direktor der Ortspolizeibehörde Bremerhaven, war stolz auf die Arbeit seiner Mitarbeiter und betonte, dass die gestiegene Aufklärungsquote ein Beweis für die hohe Einsatzbereitschaft der Polizei war. Trotz der Personalfluktuation und den Herausforderungen im Einsatz- und Ermittlungsdienst hatten die Beamten ihr Bestes gegeben, um die Bürger und Bürgerinnen von Bremerhaven zu schützen.

Doch es gab auch dunkle Seiten in dieser Erfolgsgeschichte. Die Zunahme der angezeigten Straftaten zeigte, dass die Kriminalität in Bremerhaven nicht einfach verschwand. Die Polizei musste weiter hart arbeiten, um die Straftäter dingfest zu machen und die Bürger und Bürgerinnen der Stadt zu schützen.

In diesem schwierigen Umfeld hatte die Polizei auch zahlreiche schwierige Einsätze zu bewältigen. Demonstrationen mussten begleitet, Mordkommissionen besetzt und Ermittlungsgruppen gebildet werden. Doch die Polizei hatte sich dieser Herausforderungen gestellt und war bereit, alles zu tun, um die Stadt sicher zu machen.

Insgesamt war 2022 ein Jahr voller Herausforderungen für die Polizei von Bremerhaven. Doch trotz der Schwierigkeiten hatten die Beamten ihre Arbeit erfolgreich erledigt und dazu beigetragen, die Stadt sicherer zu machen.

Kritisch betrachtet der Direktor der Ortspolizeibehörde die Entwicklung in einzelnen Deliktsbereichen. Dabei fällt vor allem der Anstieg des Anteils von Gewaltdelikten von 4,4 auf 5,1 Prozent an der Gesamtkriminalität auf. „Wir müssen feststellen, dass es eine zunehmende Tendenz in der Gesellschaft gibt, Konflikte nicht durch Kommunikation, sondern durch die Anwendung von Gewalt zu lösen“, führt Volker Ortgies dazu aus. Dies lässt sich vor allem an den Entwicklungen in den Bereichen Raub mit einem Anstieg um 26,5 Prozent (191 Fälle in 2022, 151 Fälle in 2021), der Körperverletzungsdelikte mit einem Anstieg auf 1.587 Fälle (1.263 im Vorjahr), bei Sachverhalten der häuslichen Gewalt mit 661 angezeigten Taten (592 im Vorjahr) und durch die steigende Anzahl der registrierten Gewalt gegen Polizeibeamte und -beamtinnen um 8,8 Prozent (99 Taten) im Vergleich zum Vorjahr (91 Taten) festmachen.

Im Bereich der Diebstähle unter erschwerenden Umständen wirken sich die vielen getroffenen Maßnahmen bei der Polizei im Einsatz- und Ermittlungsdienst sowie die Überführung von einzelnen Tatverdächtigen positiv aus. So ist mit 2.486 Fällen insgesamt eine Abnahme um 9,8 Prozent zum Vorjahr (2.913 Taten in 2021) festzustellen. Während der Wohnungseinbruchsdiebstahl mit 327 registrierten Fällen (291 im Vorjahr) leicht angestiegen ist, werden die Rückgänge insbesondere bei schweren Diebstählen aus Boden- und Kellerräumen um 27,5 Prozent und bei schweren Diebstählen aus Büros und Werkstätten um 9,6 Prozent festgestellt. „Die rückläufigen Zahlen in diesem Bereich bestärken uns in unseren Maßnahmen und unserem Vorgehen“, führt Volker Ortgies dazu aus. Er betont, dass die Polizei Bremerhaven diesen eingeschlagenen Weg fortsetzen wird.

Innensenator Ulrich Mäurer, Polizeipräsident Dirk Fasse, der Direktor der Ortspolizeibehörde Bremerhaven Volker Ortgies sowie die Leiterin des Landeskriminalamtes Petra van Anken haben heute (6. März 2023) die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2022 vorgestellt.

Nach den atypischen Verläufen der PKS in den Corona-Jahren, ist in 2022 erstmals wieder bundesweit ein teils deutlicher Anstieg der Kriminalitätszahlen zu verzeichnen (siehe z.B. auch die aktuellen Veröffentlichungen dazu aus Hessen und NRW). So ist auch ein Anstieg im Land Bremen erkennbar.

Die Zahl der polizeilich abschließend bearbeiteten Straftaten im Land Bremen stieg von 75.966 in 2021 auf 79.713 im vergangenen Jahr. (In 2020 betrug die Zahl der polizeilich abschließend bearbeiteten Straftaten 80.869 Fälle.)

Nachdem die Aufklärungsquote im Land im Jahr 2020 mit 51,5 Prozent den Höchstwert in 25 Jahren erlangt hatte, lag sie in 2022 bei 45,5 Prozent. Dies wird hauptsächlich auf folgende Gründe zurückgeführt: die hohe beziehungsweise gestiegene Zahl der Betrugsdelikte, sowie die im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 4.000 Fälle gestiegene Zahl der Diebstähle in der Stadt Bremen. In diesem Deliktsfeld wird jedoch im Schnitt der vergangenen Jahre nur rund jeder vierte bis fünfte Fall aufgeklärt – was sich infolge negativ auf die Aufklärungsquote insgesamt auswirkt. Des Weiteren ging die Zahl der festgestellten Rauschgiftdelikte mit ihren üblicherweise hohen Aufklärungsquoten im vergangenen Jahr zurück. Bei sexuellem Missbrauch von Kindern stieg die Aufklärungsquote dagegen auf 90,8 Prozent an, bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung liegt sie bei 78,2 und bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung bei 73,6 Prozent.

Innensenator Ulrich Mäurer: „So sehr man sich freuen kann, dass die Corona-Pandemie seit dem vergangenen Jahr weitgehend eingedämmt werden konnte und wir in unserem Alltag mehr und mehr zur Normalität zurückkehren können, so hat diese Entwicklung auch Auswirkungen auf die Kriminalitätsentwicklung. Die Bürger und Bürgerinnen sind wieder mehr als in den Corona-Zeiten unterwegs und es gibt damit verbunden natürlich auch wieder mehr Tatgelegenheiten.“ Dies drücke sich zum Beispiel bei der Zunahme im Straßenraub, im Wohnungseinbruch oder auch im Diebstahl von Fahrrädern aus.

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Sinkende Fallzahlen hingegen sind beim Diebstahl aus Dienst-, Büro- und Lagerräumen zu verzeichnen (minus 11,5 Prozent) beziehungsweise aus Kellerräumen und Waschküchen (minus 49 Prozent).

Bei einem der polizeilichen Schwerpunktbereiche – dem Raub (Straßenraub ist dabei mitgerechnet) – gibt es nach einer rückläufigen Entwicklung zwischen 2015 und 2020 vor dem Hintergrund der beschriebenen Entwicklung („wieder mehr Tatgelegenheiten“) im Vergleich zum Vorjahr erneut einen Anstieg von 710 auf 844 Fälle.

Beim Diebstahl insgesamt stiegen die absoluten Zahlen der in der PKS registrierten Fälle von 22.299 (in 2021) auf 26.503. Die Polizei Bremen bearbeitete insgesamt 5.266 Fahrraddiebstähle (4.732 in 2021). Darunter befanden sich allein 961 Diebstähle von Pedelecs, S-Pedelecs und E-Bikes im Wert von 2,8 Millionen Euro.

Vor allem die Kriminalität im digitalen Raum hat in den vergangenen Jahren eklatant zugenommen. Mäurer verweist in dem Zusammenhang auf eine Studie des Bundeskriminalamtes, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde und an der über 46.000 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. Dabei wurde festgestellt, dass 14 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren in den zwölf Monaten vor der Befragung Opfer eines Cybercrimedeliktes – wie etwa Waren- oder Dienstleistungsbetrug online oder dem Missbrauch persönlicher Daten bei der Nutzung des Internets – geworden sind.

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Bremens Polizeipräsident Dirk Fasse: „Dazu passt die Entwicklung, die wir in Bremen im Zusammenhang mit den gestohlenen sogenannten ‚unbaren Zahlungsmitteln‘ feststellen. Waren es in 2021 noch 741 Fälle, schnellte die Zahl auf 2.175 Fälle im vergangenen Jahr in die Höhe.“

Diese Diebstähle wirkten sich auch auf Betrugsfälle unter Verwendung der gestohlenen Debit-Karten und Kreditkarten sowie Handys aus, die von 968 (in 2021) auf 2.136 Fälle im vergangenen Jahr stiegen. Die Täterinnen und Täter nutzten gestohlene Debit-Karten (vormals EC-Karte) oder Kreditkarten als Zahlungsmittel in Geschäften für verschiedene Waren und Güter. So wurden Zahlungskarten in hoher Anzahl und in schneller Folge an mit Kartenlesegeräten ausgestatteten Zigarettenautomaten eingesetzt. Die Einführung und zunehmende Verbreitung von elektronischen Zahlungsmethoden unter Nutzung von mobilen Endgeräten (Apple-Pay, Google-Pay, virtuelle EC-Karte) öffnet neue und lukrative Möglichkeiten zur Erlangung von Sachwerten oder Bargeld. In der Regel werden die relevanten Daten über sogenannte Phishing-Attacken erlangt und zur Beantragung/Installation einer „virtuellen Debitkarte“ beziehungsweise der Apple- oder Google-Pay-Funktion genutzt. Oft erfolgt der Einsatz dieser „virtuellen Zahlungsmittel“ in Supermärkten, bei denen eine Bargeldauszahlung an der Kasse möglich ist. (Erläuterung: Bei Phishing-Attacken versuchen Kriminelle, ihre Opfer auf verschiedenen Wegen – sei es per E-Mail, Websites, SMS, WhatsApp oder Telefonanruf – zur Herausgabe von sensiblen Daten zu bewegen, um sie damit finanziell schädigen zu können.)

Beim Wohnungseinbruch ist die Fallzahl wieder angestiegen, nachdem es in 2021 einen deutlichen Rückgang gab, vermutlich aufgrund der Tatsache, dass eine große Zahl von Bürgerinnen und Bürgern während der Pandemie verstärkt zu Hause blieb beziehungsweise im Homeoffice war und somit Täterinnen und Täter weniger Gelegenheiten „bot“. Die Zahl der vollendeten Taten stieg nunmehr von 470 (in 2021) wieder auf 638 an. In 521 Fällen blieb es beim versuchten Einbruch.

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Der Anstieg bei den vollendeten Tötungsdelikten sticht in der diesjährigen PKS ins Auge. Dazu die Leiterin des Landeskriminalamtes, Petra van Anken: „Der Anstieg der Fallzahlen bei den vollendeten Tötungsdelikten geht auf die noch laufenden Ermittlungen der im Jahre 2019 eingerichteten Sonderkommission ‚Weser‘ zurück. Die Sonderkommission führt umfangreiche Ermittlungen gegen einen Beschuldigten aus dem Gesundheits- und Pflegebereich. Diese Ermittlungen führten aufgrund neu gewonnener Erkenntnisse zur Nacherfassung von mehreren Verdachtsfällen aus den Jahren vor 2022. Die Ermittlungen selbst waren bereits Gegenstand medialer Berichterstattung. Der Beschuldigte befindet sich aufgrund anderer abgeurteilter Delikte bereits seit 2019 in Haft.“

Die Zahl der Vergewaltigungen, sexuellen Nötigungen beziehungsweise Übergriffe ist von 128 Fällen (in 2021) auf 156 Fälle das dritte Jahr in Folge gestiegen. Ein zentraler Erklärungsansatz hierfür ist ein geringeres Dunkelfeld als in früheren Jahren. „Prominente Fälle von Tätern wie dem Filmproduzenten Harvey Weinstein sowie die zahllosen Berichte über Missbrauch in kirchlichen als auch sportlichen Institutionen haben eine öffentliche Debatte angestoßen, die Opfer ermutigt, Täter und Täterinnen eher anzuzeigen als noch vor einigen Jahren“, ist Mäurer überzeugt.

Beim sexuellen Missbrauch von Kindern sind die Bremer Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr (132) in 2022 (120) leicht zurückgegangen. Mäurer: „Wir gehen in diesem Deliktsfeld aber von einem hohen Dunkelfeld aus, sodass uns diese Zahlen trotz eines Rückgangs nicht beruhigen dürfen. Jeder Fall ist ein Fall zu viel und beschwert die Lebenswege der jungen Opfer langfristig und in massiver Form.“

Keinesfalls Entwarnung gibt es auch im Bereich der Kinderpornografie. Mäurer: „Hier warten noch viele Fälle auf ihre endgültige Bearbeitung. Darunter auch solche, wo Kinder und Jugendliche kinderpornografisches Material weiterverschickt haben, ohne sich über die Strafbarkeit im Klaren gewesen zu sein.“ Aktuell werden in das zuständige Kommissariat elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur langfristigen Unterstützung eingesteuert. „Die Fallzahlen werden damit im kommenden Jahr erheblich in unserer Statistik ansteigen“, prophezeit Bremens Innensenator. Auch vor dem Hintergrund, dass konkrete Hinweise von Providern ausländischer Server mit Bezug zu deutschen Tätern und Täterinnen über das BKA an die Länder gesteuert werden und diese Daten stetig und rasant ansteigen.

Die gefährliche und schwere Körperverletzung (KV) ist im Vergleich zu 2021 (1.728) mit 1.413 Fällen (in 2022) erheblich zurückgegangen. Hier bildet jedoch die PKS nicht das vollständige Geschehen im vergangenen Jahr ab, da ein größerer Anteil der niedrigschwelligeren gefährlichen KV-Delikte 2023 in Bearbeitung genommen werden.

Im Deliktsbereich Brandstiftung konnten im vergangenen Jahr gleich mehrere kleinere Serien aufgeklärt werden. Dabei handelt es sich um PKW-Brände und Brandlegungen auf einer Station in einem Krankenhaus. Die Aufklärungsquote konnte damit von 14,9 auf 30,5 Prozent verdoppelt werden.

In dem Bereich der Ermittlungen rund um das Thema Betäubungsmittelkriminalität ist im vergangenen Jahr viel Arbeit geflossen – Stichworte: Hauptbahnhof und EncroChat-Ermittlungen. Mit Stand von Anfang Februar dieses Jahres konnten seit August 2020 insgesamt 79 Haftbefehle aufgrund der EncroChat-Ermittlungen erwirkt und 61 Täter zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von rund 366 Jahren verurteilt werden. 51 Immobilien und 86 hochwertige Fahrzeuge wurden vorläufig sichergestellt.

Bei den sogenannten SÄM-Delikten (Straftaten zum Nachteil älterer Menschen) wurde mit 967 Fällen im Jahr 2022 ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (1.180 Fälle) verzeichnet. Die positive Trendentwicklung der vergangenen Jahre ist vermutlich teilweise überwiegend der pandemiebedingten Ausnahmesituation geschuldet. Lockdowns und die vermehrte Nutzung von Homeoffice minimierten die Chance auf günstige Tatgelegenheiten (informelle Kontrolle in Nachbarschaften). Zudem kann seit 2020 im Bereich des sogenannten Call-Center-Betruges ein signifikanter Rückgang beobachtet werden. Dieser ist auf ein Verfahren des Polizeipräsidiums München zurückzuführen. Bei der Einleitung von nunmehr offenen Maßnahmen gegen eine in der Türkei ansässige, hoch aktive Tätergruppierung wurden zahlreiche Festnahmen und Beschlagnahmungen von Vermögenswerten in Millionenhöhe durchgeführt. Führenden Personen dieser Gruppe werden Bezüge nach Bremen zugeschrieben.

Wie beeinflussen die Bearbeitungsrückstände die PKS? Die Entwicklung der PKS wird unter anderem durch die Entwicklung der Bearbeitungsrückstände beeinflusst. Durch polizeiliche Schwerpunktsetzungen können beispielsweise durch konzertierte Aktionen Ermittlungsverfahren priorisiert bearbeitet werden. Dadurch ist ein Anstieg der entsprechenden PKS-Fälle möglich. Beispielsweise sei auf Schwerpunktsetzungen im Bereich der Körperverletzungsdelikte und der Betäubungsmittelkriminalität in den vergangenen Jahren hingewiesen, die zu einer erhöhten PKS-Fallzahl geführt haben. Ein Rückgang der Fallzahlen in den Jahren darauf kann unter anderem auf die Entwicklung der Bearbeitungsrückstände, auf das Anzeigeverhalten, die polizeiliche Kontrollintensität oder die reale Kriminalitätsentwicklung zurückzuführen sein.

 


Anmerkungen zur PKS

Die PKS ist eine Ausgangsstatistik und keine Tatzeitstatistik.

Sie kann kein absolut exaktes Abbild der tatsächlichen Kriminalitätslage und Kriminalitätsentwicklung eines Jahres liefern, sondern eine je nach Deliktsart mehr oder weniger genaue Annäherung an die Realität.

Dies liegt unter anderem an dem je nach Deliktsart und -schwere unterschiedlich großen Dunkelfeld – jenen Straftaten also, die der Polizei erst gar nicht bekannt werden. Der Umfang dieses Dunkelfeldes kann sich unter dem Einfluss verschiedenster Faktoren im Laufe der Zeit ändern (z.B. aufgrund von Änderungen im Anzeigeverhalten der Bevölkerung oder in der Kontrollintensität der Polizei). Es kann daher nicht von einer feststehenden Relation zwischen begangenen und statistisch erfassten Straftaten ausgegangen werden.

Weitere Einflussfaktoren können z.B. Änderungen des Strafrechts sein, wie zuletzt im Sexualstrafrecht mit der Einführung der sexuellen Belästigung, was zu einem deutlichen Anstieg im Bereich der Sexualstraftaten führte. Die Vergleichbarkeit zu früheren PKS-Veröffentlichungen wird dadurch erschwert.

Auch können polizeiliche Maßnahmen / Kriminalitätsbekämpfungskonzepte / Schwerpunktmaßnahmen / die Bildung von Sondergruppen Einfluss auf das Fallaufkommen in der PKS haben.

Soweit diese Einflussfaktoren jeweils relevant sind, werden sie bei der Vorstellung der jeweiligen Polizeilichen Kriminalstatistik erläutert.

In der PKS werden die von der Polizei abschließend bearbeiteten Straftaten erfasst. Nicht erfasst werden Staatsschutzdelikte, Verkehrsdelikte und Straftaten, die außerhalb Deutschlands begangen wurden.

Die Aktualität der PKS wird auch durch Straftaten mit langer Ermittlungsdauer beeinflusst. Etwa 27 Prozent der in der PKS 2022 erfassten Straftaten wurden bereits im Jahr 2021 oder früher verübt.

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