SCHULBUS-Studie vorgestellt

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Im Zeitraum von Herbst 2021 bis Frühjahr 2022 wurden im Rahmen der SCHULBUS-Untersuchung (Schüler*innen- und Lehrkräftebefragungen zum Umgang mit Suchtmitteln) insgesamt knapp 2.000 Jugendliche zwischen 14 bis 17 Jahren in Bremen und Bremerhaven zum Konsum von Suchtmitteln, zum Umgang mit Glücksspiel- und Internetangeboten, zur selbstkritischen Körperwahrnehmung und zu verschiedenen Aspekten des Erlebens der Corona-Pandemie befragt. Nun liegen die Ergebnisse vor und können auf der Webseite der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz abgerufen werden unter www.gesundheit.bremen.de/gesundheit/psychiatrie-und-sucht/schulbus-bericht-2021-2022-44405

„Die SCHULBUS-Untersuchung liefert uns alle drei Jahre einen Überblick, wie sich das Konsumverhalten von Jugendlichen in Bremen und Bremerhaven entwickelt, ob es Verlagerungen gibt und an welchen Stellen wir ansetzen müssen, um präventive und beratende Angebote zielführend zu schaffen oder bestehende Angebote anzupassen“, sagt Claudia Bernhard, Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz, deren Ressort unter Beteiligung der Senatorin für Kinder und Bildung und der Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport die Federführung für diese Befragung inne hatte.

„Neben den Ergebnissen aus den bundesweiten Prävalenzstudien sind wir vor allem auch auf die Erkenntnisse regional erfasster Daten angewiesen. Denn Suchtprävention ist stets die Arbeit vor Ort. Je tiefer die Einblicke in das lokale Suchtmittelkonsumgeschehen, umso genauer können geeignete Präventionsstrategien geplant, implementiert und auf ihre Wirksamkeit hin geprüft werden“, sagt der Studienleiter Theo Baumgärtner von Sucht.Hamburg.

Wichtige Ergebnisse der Befragung 2021/22:

Der vielfach befürchtete Anstieg der Verbreitung des jugendlichen Umgangs mit Suchtmitteln im „Corona-Jahr“ 2021 ist insgesamt ausgeblieben. Es kam zu einem Rückgang des kontextorientierten Konsums möglicherweise als Effekt eingeschränkter Party-Events beziehungweise Konsumgelegenheiten. Andererseits war eine Zunahme des wirkungsorientierten Konsums, der eher unabhängig von äußeren Anlässen auf die Effekte der Suchtmitteleinnahme fokussiert, bei Jugendlichen mit bereits etablierten riskanten Konsummustern zu beobachten.

Die Verbreitung des Alkoholkonsums unter Jugendlichen liegt jedoch immer noch jenseits der geltenden Jugendschutzregelungen auf relativ hohem Niveau. Zudem ist der Konsum von Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS) und Ecstasy bei Jugendlichen ansteigend auf immer noch niedrigem Niveau. Das Tabak-Rauchen hat unter Jugendlichen weiter an Attraktivität verloren: Der Anteil des regelmäßigen Rauchens liegt bei Jugendlichen in Bremen bei 7,2 Prozent und in Bremerhaven bei 7,3 Prozent.

Probleme im Zusammenhang mit der selbstkritischen Körperwahrnehmung (Risiko für Essstörungen) und der freizeitorientierten Nutzung des Internets außerhalb der schulischen Verwendung als substanzungebundene Formen suchtgefährdenden Verhaltens haben insgesamt und besonders bei Mädchen deutlich zugenommen. Beim Mediengebrauch kam es zu einer Verdoppelung des problematischen Konsums.

Die Belastungen durch den Pandemie-bedingten Unterrichtsausfall und das noch ungewohnte Format des Homeschoolings wurden von den Jugendlichen hinsichtlich verschiedener Aspekte unterschiedlich und insgesamt mit einem mittleren Belastungs-Wert wahrgenommen. Auch wenn nicht selten mögliche Lerndefizite und dadurch entstehende Nachteile für die Zukunft befürchtet wurden, so berichten viele Jugendliche darüber, dass der „übliche“ Schulstress, der zuweilen bestehende Leistungsdruck, das Konkurrenzverhalten und die Häufigkeit von Mobbingerfahrungen spürbar nachgelassen haben

„Der kontinuierliche Rückgang des Alkohol- und Tabakkonsums bei Jugendlichen ist erfreulich, allerdings zeigen die Auswirkungen der Pandemie einen erhöhten Medienkonsum. Wie sich zeigt, sind vor allem Mädchen gefährdet, durch die täglichen Bilder und Videos auf Instagram, TikTok und Co. zu einer kritischeren Selbstwahrnehmung zu kommen. Daher bin ich sehr froh, dass wir unter dem Dach der Ambulanten Suchthilfe Bremen auch eine Fachstelle für Medienabhängigkeit etablieren konnten“, sagt Claudia Bernhard.

Digitale Angebote und Medien sind heute aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Die SCHUBUS-Studie zeigt aber auf, dass dem Internet generell und seinen vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten auch ein offenbar nicht unbeträchtliches Suchtpotenzial anhaften kann.

Jugendliche verbringen täglich 5,3 Stunden aktiv und explizit Freizeit-orientiert mit dem Surfen im Internet verbringen. Dabei unterscheiden sich weder die männlichen von den weiblichen, noch die jüngeren von den älteren Jugendlichen. Eine problematische Internetnutzung trifft auf gut ein Fünftel (21 Prozent) aller Jugendlichen zu.

„Digitale Angebote und Medien sind heute aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Die SCHUBUS-Studie zeigt aber einmal mehr das immense Suchtpotential des Internets. Es ist absolut zentral, dass in der Schule die eigene Mediennutzung kritisch hinterfragt wird und den Schülerinnen Beratungsangebote gemacht werden. Jetzt kommt es darauf an, die digitalen Angebote noch viel mehr zur Stärkung gesundheitsförderlichen Verhaltens zu nutzen“, sagt Kinder- und Bildungssenatorin Sascha Karolin Aulepp.

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Für Schülerinnen, Eltern und Lehrkräfte gibt es zahlreiche Informations- und Unterstützungsangebote durch die Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren (REBUZ) und das Landesinstitut Schule Bremen.

Die Daten aus Bremen sind auch für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) interessant. „Erfreulich ist, dass die Corona-Pandemie nicht zu einer allgemeinen Erhöhung der Verbreitung des Suchtmittelkonsums unter Jugendlichen geführt hat. Doch beobachten wir mit Sorge, dass die Probleme von Jugendlichen in Bezug auf Essverhalten und exzessive Mediennutzung eher zugenommen haben“, so Prof. Dr. Martin Dietrich, Kommissarischer Direktor der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). „Auch wenn es sich bei der SCHULBUS-Studie um Befragungen auf lokaler Ebene handelt, ergänzen die Ergebnisse unsere Datenlage der bundesweiten Drogenaffinitätsstudie zum Suchtmittelkonsum von 12- bis 25-Jährigen. Dieser Einblick in die Lebenswelt junger Menschen hilft, unsere Angebote der Suchtprävention passgenauer weiterzuentwickeln. Dabei nimmt die BZgA verstärkt auch die Zielgruppen der Eltern und Lehrkräfte in den Blick.“

Maßnahmen im Land Bremen zur Prävention und Hilfe bei Suchtfällen:

  • KIPSY

Die Kinder- und Jugendpsychiatrische Beratungsstelle und Institutsambulanz (KIPSY) im Gesundheitsamt Bremen bietet Beratung und Unterstützung für Kinder und Jugendliche bei allen kinder- und jugendpsychiatrischen Krankheitsbildern sowie Essstörungen.

  • Escape – Ambulanz für junge Menschen mit Suchtproblemen

Die kinder- und jugendpsychiatrische Beratungsstelle (KIPSY) hält ein zusätzliches Beratungs- und Unterstützungsangebot vor für Suchtmittel missbrauchende Jugendliche und für junge Menschen mit Substanz ungebundenen Verhaltensauffälligkeiten. Das Angebot richtet sich auch an Eltern und Einrichtungen, deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die mit solchen Jugendlichen zu tun haben. Neben Beratung und Unterstützung auf der Suche nach Wegen das Suchverhalten einzuschränken, zu reduzieren oder einzustellen vermittelt Escape auch in das niedergelassene System zur weiteren Behandlung.

Adresse KIPSY / Escape
Horner Straße 60-70
Gesundheitsamt, Eingang 6
28203 Bremen
Tel: 0421 361 62 92
E-Mail: kipsy@gesundheitsamt.bremen.de
www.gesundheitsamt.bremen.de

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  • Ambulante Suchthilfe Bremen – Fachstelle Medienabhängigkeit

In der Fachstelle Medienabhängigkeit finden Erwachsene und Jugendliche Unterstützung bei Mediensucht in Einzelgesprächen, Familiengesprächen und Gruppen. Hier werden auch wöchentliche Sprechstunden angeboten.

Mehr unter www.ash-bremen.de/angebote/fachstelle-medienabhaengigkeit

  • Präventionsprojekt „Gesunder Umgang mit Medien im Kindes- und Jugendalter“ beim GKV-Bündnis für Gesundheit

Die seit Jahren zunehmend problematische bis suchthafte Nutzung (digitaler) Medien in strukturell benachteiligten Stadtteilen hat sich im Zuge der Lockdown-Maßnahmen noch einmal verschärft. Aus diesem Grund sollen im Zuge des Präventionsprojekts zielgruppenspezifische, gesundheitsfördernde Interventionen unterstützt werden. Diese Interventionen sollen in den Einsatzgebieten der Gesundheitsfachkräfte in den Schulen und in den Quartieren erfolgen. Es werden medienpädagogische Experten in den ausgewählten Schulen und Quartieren eingesetzt, die andere Multiplikatoren nachhaltig schulen. Das Projekt soll noch in diesem Herbst starten.

  • Landesinstitut für Schule (LIS)

Die Webseite der Suchtprävention des LIS gibt Auskunft über Maßnahmen und Angebote für Schulen und Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer zum Thema substanzgebundene und nichtsubstanzgebundene Süchte sowie Präventionskonzepte. Darunter sind Angebote, Projekte, Fortbildungen und Arbeitskreise etwa zu den Themen Suchtmittel, Rauchen, Medikamente, Alkohol, Essstörungen und Medien.

Mehr zu dem Thema unter www.lis.bremen.de/fortbildung/suchtpraevention-587835

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