Zu Riesenschiffen und Wasserbüffeln: Bremerhaven per Rad entdecken

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Radler auf Kaje vor Schiff "Dicke Pötte" gehören zum Erlebnis der „Fisch und Schipp“-Route durch Bremerhaven. ©Helmut Gross
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Schleusen, Deiche und Attraktionendichte machen das Radfahren in der Seestadt konkurrenzlos

Nicht erst seit Corona-Zeiten erlebt das Radfahren einen nicht enden wollenden Boom. Die Erkenntnis, sich die Welt gesund, preiswert und flexibel erschließen zu können, stellt Stadtplaner vor Herausforderungen – und öffnet Touristikern neue Möglichkeiten. Die Seestadt Bremerhaven profitiert von dieser Entwicklung in doppelter Hinsicht: Ihre langgestreckte Lage auf Meereshöhe, ihre Vielzahl kontrastreicher Viertel und Attraktionen und das grüne Umland sind wie geschaffen für radelnde Besucher mit Sinn für eine nicht alltägliche Stadterfahrung.

Flacher geht’s nicht: Nur Deichkronen, Brücken und manchmal auch der Wind stellen Anforderungen an die Muskeln der Besucher, die sich per Rad die größte Stadt an der deutschen Nordseeküste erschließen. Dass auswärtige Gäste in Bremerhaven so zahlreich mit dem Zweirad unterwegs sind, verdankt die Stadt nur zum Teil ihren touristischen Ikonen wie Klimahaus, Deutsches Auswandererhaus oder Schifffahrtsmuseum. Denn hier verknotet sich ein engmaschiges Netz aus regionalen und internationalen Fahrradrouten. Wer an die Nordseeküste möchte, kommt fast zwangsläufig hierher: Der 6.000 Kilometer lange Nordseeküsten-Radweg beispielsweise oder der Weserradweg aus dem Mittelgebirgsraum gelten als Premium-Touren mit entsprechender Nutzungsrate. Unterwegs „Vom Teufelsmoor zum Wattenmeer“ durchmisst man die langgestreckte Seestadt ebenso zwischen Süden und Norden wie auf dem „Alten Postweg“, der durch das Landesinnere bis Cuxhaven führt. Für radelnde Urlauber im umliegenden Land Wursten oder rings um Cuxhaven ist Bremerhaven ohnehin ein attraktives Tagesreise-Ziel. Die Bahn als eine Alternative für eine der beiden Fahrstrecken ist hinlänglich bekannt, Schiffe sind es eher nicht: Je nach Jahreszeit können Radfahrer mit Ziel Bremerhaven beispielweise ab/nach Bremen über die Weser schippern.

Ihre große Schwester Bremen wurde vom ADFC zu Deutschlands bester Fahrradgroßstadt 2020 gekürt, einige ihrer Angebote wie das „Bike it-Programm“ mit Routen und Serviceleistungen sind auch Teil des Radlerlebens an der Mündung der Weser. So bieten gleich zwei Radstationen im „Schaufenster Fischereihafen“ und in den „Havenwelten“ einen Komplett-Service von der Vermietung aller gängigen Modelle und Größen bis zu Reparaturen, Gepäckaufbewahrung und touristischen Informationen inklusive Kartenmaterial für Traditionalisten.

Bei Liebhabern des Digitalen ist die „Bike Citizens“-App populäres Hilfsmittel zur Orientierung zwischen zwei außergewöhnlichen Antipoden: Im Norden Bremerhavens erstreckt sich über viele Kilometer das vielgliedrige Hafengebiet, dessen Superlative sich per Rad über Schleusen und Brücken wie mit keinem zweiten Verkehrsmittel entdecken lassen. Gegensätzlicher könnte das 1.400 Hektar große Naturschutzgebiet Luneplate ganz im Süden nicht sein: Marschgrünland, Tidepolder und Wattflächen sind Lebensraum unzähliger Brut- und Zugvögel, eine große Herde Wasserbüffel gehört zu den größten biologischen Attraktionen der Region.

Wer diese gegensätzlichen Welten radelnd verbindet, erlebt auf gut ausgeschilderten Wegen meist vor oder hinter dem Weserdeich das authentische Spektrum des maritimen Bremerhavens. Die Reihenfolge der Sehenswürdigkeiten, die mit der kulinarischen Meile des „Schaufenster Fischereihafen“ und den „Havenwelten“ selbst international Maßstäbe gesetzt haben, bestimmt nicht selten die Windrichtung. Den Überblick über Details und das Ganze bieten in Anmutung und Zahl außergewöhnliche Aussichtspunkte: Vom Beobachtungsturm auf der Luneplate über die Besucherterrasse des Atlantic Hotel Sail City in 85 Meter Höhe bis zum Container-Aussichtsturm nach Bauklotzverfahren. Vom 700 Jahre alten Ochsenturm im Marschdorf Weddewarden geht der Blick über fettgrüne Wiesen auf das Richtung Nordsee weisende Ende der Hafenanlagen.

Da das Radfahren auf eigene Faust in einer fremden Stadt nicht jedermanns Sache ist, bietet Erlebnis Bremerhaven unter regulären Bedingungen zwei jeweils dreistündige geführte Radwanderungen an, die auf der „Fisch und Schipp“-Route die dicken Pötte und mächtigen Containerterminals zum Ziel hat oder auf der „Wasser, Wind und Wiesen“-Tour ins südliche Marschland gleich hinter den Deich führt.
Weitere Informationen über Radfahren in Bremerhaven: www.bremerhaven.de/rad

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