Bremerhaven – Wer in Bremerhaven oder Umgebung an ein Fernwärmenetz angeschlossen ist, sollte jetzt besonders genau auf seine Vertragsleistung achten. Geplante Änderungen der Bundesregierung könnten es künftig deutlich schwerer machen, zu hoch gebuchte Anschlussleistungen später zu reduzieren – und das kann Haushalte Hunderte Euro pro Jahr kosten.
Laut einer Stichprobe des Verbraucherportals Finanztip lässt sich bei einer beispielhaften Reduzierung der Anschlussleistung von 18 auf 12 Kilowatt je nach Anbieter zwischen rund 112 und knapp 794 Euro brutto im Jahr sparen. Bei acht von zehn untersuchten Versorgern betrug die Ersparnis mehr als 300 Euro.
Bisher können Fernwärmekunden ihre vertraglich vereinbarte Leistung einmal jährlich bis zu 50 Prozent reduzieren – meist ohne Nachweis. Die Bundesregierung will das nun ändern: Künftig soll eine Leistungsreduzierung nur nach einer Energieberatung möglich sein und bei reiner Überdimensionierung auf die ersten drei Vertragsjahre begrenzt werden. Bestehende Verträge sollen zwar über eine Übergangsregel mit einbezogen werden, doch die Frist bleibt knapp bemessen.
Finanztip-Expertin Sandra Duy weist darauf hin, dass viele Häuser erst nach mehreren Heizperioden erkennen, dass die Anschlussleistung zu hoch ist. Nach Ablauf der Drei-Jahresfrist drohen dauerhaft höhere Grundpreise – gerade für Haushalte in Fernwärme-Netzen rund um Bremerhaven ein teures Problem.
Ein schneller Selbstcheck hilft: Die sogenannten Vollbenutzungsstunden errechnen sich aus Jahresverbrauch (kWh) geteilt durch die Anschlussleistung (kW). Deutlich unter 1.800 Vollbenutzungsstunden deutet auf eine Überdimensionierung hin. Die Senercon-Auswertung 2024 ergab, dass von 676 geprüften Anschlüssen 62 Prozent zu groß ausgelegt waren – im Schnitt um 34 Prozent.
Mieter in Mehrparteienhäusern sollten ihre Vermieter oder Hausverwaltungen ansprechen, da diese meist Vertragspartner der Fernwärmeversorger sind. Für alle anderen gilt: Anschlussleistung frühzeitig prüfen lassen – sonst könnte die Ersparnis auf dem Tisch bleiben, während die Kosten weiterlaufen.
